Fahrradhaus

Velib - RADFAHREN IN PARIS

Ein modernes Grossstadt Verkehrskonzept

 

Die Zeiten, in denen man in Paris als Radfahrer auf der Straße sein Leben riskierte sind mittlerweile passe. Es gibt in der ganzen Stadt zahlreiche Radwege entlang den Straßen, was das Fahren einigermaßen sicher und angenehm macht- auch wenn der Radweg manchmal gleichzeitig die Busspur darstellt, aber das animiert einen wenigstens, mal kräftiger in die Pedale zu treten. Entgegen des Klischees ist der Verkehr in Paris zwar manchmal chatoisch und wild, aber auch nicht gefährlicher als in anderen Großstädten in Deutschland. Die Autofahrer scheinen sich an die Radfahrer gewöhnt zu haben und nehmen Rücksicht. Es gibt insofern nur wenige Stellen, die man mit dem Fahrrad besser meidet- eine davon ist z.B. der Kreisverkehr um den Arc de Triomphe, hier ist es selbst im Auto schon stressig genug. Auch bei anderen großen und unübersichtlichen Kreiseln oder Plätzen, wie z.B. dem Place de la Concorde, kann es ratsam sein, abzusteigen und als Fußgänger seinen Weg zum nächsten Radweg zu finden. An solchen Stellen ist die Einteilung der Fahrbahn in Spuren eher sehr offen gehalten (es gibt kurz gesagt keine vernünftigen Markierungen auf dem Kopfsteinpflaster), der Verkehr schnell und die Chance hoch, dass man entweder umgefahren wird, oder aber alternativ in eine Richtung abgedrängt wird, in die man so eigentlich gar nicht hätte fahren wollen.

Im Jahre 2007 gab es eine Innovation im Pariser Nahverkehrsnetz: Die Einführung von "Velib", eines Fahrradverleihsystems innerhalb der Stadt. An einer Vélib-Station kann man mit der Kreditkarte eine Tages- oder Wochenkarte kaufen und sich anschließend an einem der Ständer ein Fahrrad nehmen. Die nächsten 30 Min kann man dann kostenlos damit herumfahren und es an einer anderen Station wieder abgeben. Überschreitet man die 30 Min, kostet es 1€ für die erste halbe Stunde danach, 2€ für die zweite und 4€ für jede weitere. Das Netz an Verleihstationen ist aber so dicht (etwa alle 300m stolpert man über eine), dass es kein Problem ist, das Rad innerhalb von einer halben Stunde wieder loszuwerden. Und wenn eine Station voll belegt ist, kann man sich dort anzeigen lassen, wo in der Umgebung eine weitere Station ist, an der man sein Glück versuchen kann und kann auch seine Frist verlängern lassen, um dorthin zu radeln. Dieses System ist von den Parisern mit einer überwältigenden Begeisterung angenommen worden. Innerhalb von nur ganz kurzer Zeit hatten sich bereits mehrere tausend Menschen für einen Jahrespass (den man allerdings nur online bestellen kann) registrieren lassen. Die Räder sind einfach, aber sicher und stabil und werden regelmäßig gewartet. Aufgrund der flächenmäßig überschaubaren Größe der Stadt ist es wirklich eine einfache und angenehme Art der Fortbewegung, man ist über der Erde an der (mehr oder weniger) frischen Luft, ist nicht dem Mief oder eventuellen Streiks bei der Métro ausgeliefert und umweltfreundlich ist es noch dazu.

Es gibt nur einen Punkt, zu dem man mit dem Velib nicht hinkommt- die "butte Montmartre", der Hügel von Montmartre, auf dem die Kirche Sacre Coeur steht. Man hat aus den Fehlern anderer Städte gelernt und hier bewusst auf eine Station verzichtet, weil diese sonst immer leer gewesen wäre, da wesentlich mehr Leute den Berg heruntergerollt wären anstatt ihn hochzustrampeln.