
Nachdem man die viertgrößte Stadt Sachsens hinter sich zurück gelassen hat, kommen erstmals standartgerechte Fahrradwege unter die Reifen. So ist der erzgebirische Industrieort Glauchau bald erreicht und das interessante, ein wenig verwunschene Waldenburg bezwungen. Will man zum Marktplatz hinauf, sind an die 50 Höhenmeter zu überwinden. So wird es in etwa bei allen noch folgenden Städten und Burgen des Muldentals der Fall sein. Diese Besuche sind unbedingt im Zeitplan zu bedenken. Der nun folgende Abschnitt im von Autostrassen freien Teilstück bis Wolkenburg ist von besonderer Schönheit. Gleiches lässt sich auch für die Weiterfahrt bis Penig berichten. Diese recht wenig bekannte Stadt stellt sich dennoch recht kompakt und trutzig dar. Nächstes imposantes Ziel ist bald mit der Rochsburg auszumachen. Um zu ihr zu gelangen muss allerdings zuvor das Tal verlassen werden und die auf diesem Teilstück tatsächlich einzige wirklich herbe Geländeschwelle überwunden werden.
Mitteldeutsche Provinz in Reinkultur dürfte uns mit der Stadt Lunzenau entgegentreten. Die letzten Ausläufer des Erzgebirges lassen im 19.Jahrhundert bei Göhren ein Eisenbahnviadukt von beachtlichen 68 Metern Höhe entstehen. Nachdem von rechts der Fluss Chemnitz zugeflossen ist, soll die Wechselburg unsere Neugierde befriedigen. Wenige Kilometer vor der Muldenmetropole Rochlitz tut sich zur Linken der gleichnamige Berg mit Aussichtsturm auf. Der geübte Radler wird wohl seinen Ehrgeiz daran setzen, die 200 Höhenmeter zu nehmen, um einen Blick über ganz Mitteldeutschland zu gewinnen. Aber nun endlich sind wir in Rochlitz mit seinem zweitürmigen Dom angekommen. Geruhsam geht die Fahrt weiter und die Stadt und Burg Colditz, eingebettet in wunderbarste Hügellandschaft, stellt sich unserem Auge entgegen. Stadt und Burg verdanken ihre Popularität vor allem dem Umstand, dass hier im 2.Weltkrieg alliierte Offiziere interniert waren. So trifft man heute so manchen Engländer in der Stadt. Gar hat sich eine Pension ganz darauf spezialisiert. Die vollständig restaurierte Anlage lassen wir hinter uns zurück und wenden uns nun dem bevorstehenden Zusammenfluss der beiden Mulden zu. Gleich bei dem Orte Sermuth vereinigen sich in einer grossen Talweitung beide Flüsse und der ausgebaute Radweg wird immer komfortabler.
Kurz vor dem Ziele Grimma muss der inzwischen beachtlich breite Fluss noch durch eine felsige Engstelle, dann ist Grimma, die Stadt der sächsischen Fürstenschule erreicht und Gelegenheit für eine ausgiebige Pause. Wer den beschriebenen Streckenabschnitt einiger Massen intensiv aufnehmen möchte, sollte für diese 100 Kilometer 2 Tage einplanen.
Text: Wolfgang Bieberstein - Fotos: Christoph Bieberstein
Die Mulde
Die Mulde bei Grimma