
Irgend wann zieht es jeden Fahrradfreund in das Lahntal. Die meisten setzen im Oberlauf bei Löhnberg ein, um in 3 bis 5 Etappen das Rheintal zu erreichen. Besonders reizvoll ist es allerdings, wenn man sich seitlich aus dem Taunus jener Stadt nähert, die an den Fuß des Westerwaldes gebaut, die erste Talenge des schon angewachsenen Flusses bewacht. Ja, von Grünberg in Oberhessen wählen wir die verkehrsberuhigte Landstraße L 3125 und gelangen so über hügelige Wald-und Felddörfer in den Landkreis Marburg-Biedenkopf.
Nach 33 km taucht geradezu unvermittelt die gegen die Abendsonne stehende Universitätsstadt Marburg auf. Über die aus dem 14.Jahrhundert stammende Steinbrücke gelangen wir in die Stadt der Gebrüder Grimm, die schon 1802 als Studenten nicht nur an den sprichwörtlich deftigen marburger Studentenstreichen Interesse zeigten, sondern vielmehr die Sammlung der um Marburg herum entstandenen Märchen in einer Sammlung zusammentrugen.
Hat man ein gutes Quartier, beispielsweise im“ Hessestübche“ der Untergasse gefunden, warten alsbald die Erlebnisse und kulinarischen Eroberungen der Stadt mit ihren 100 Metern Höhenunterschied auf. Das Gemisch des Stadtvokes drückt sich auch in allen Phasern der Stadt aus. Oft liegen Licht und Schatten, buhmende Geschäfte hier und Siechtum dort nahe beieinander.
Auf dem altehrwürdigen Marktplatz zieht es geradezu hinein in die Barfüssergasse mit ihrem Caffee „Barfuss“. Alles was dort geboten wird, ist Superklasse.
Wenn man sich zu guter letzt noch den „Marburger Nachtwächter“ einverleibt hat (eine Likör-Spezialität), dann schläft der Fahrradfreund der nächsten Fahretappe wohl entgegen.
zu Teil 2 von Marburg nach Runkel ( 105 km), Teil 3 - Von Runkel ans Deutsche Eck ( 80 km)
Text: Wolfgang Bieberstein