
Manchmal fragt man sich, was zuerst da war das Fahrrad oder der Nabenputzring.
Zumindest gehören Nabenputzringe für manche fahrradfahrenden Zeitgenossen zum absoluten Muss für ihren fahrbaren Untersatz. Oft sind es die Eltern selbst, die beim Neukauf eines Kinderfahrrades gleich noch die Nabenputzringe aufmontieren lassen.
Das glänzende Schmuckstück soll schließlich auch weiterhin glänzen und die metallisch blankpolierte Nabe ist geradezu das Sinnbild eines picko-bello sauberen Rades. Dass diese von manchen Nabenputzringgegnern gern als Fahrradregenwürmer bezeichneten „Saubermänner“ nach der so und so vielten Regen- und Schlammpartie nur noch hässlich verdreckt und widerwillig ihre Säuberungsaufgabe erledigen, stört offenbar nur wenige Verfechter der Nabenputzringlobby.
Das Verhängnis besteht bei der Erziehung der Kinder zum sorgsamen Umgang mit dem zweirädrigen Gefährt darin, dass der Glauben vermittelt wird, mit dem Aufbringen eines Putzringes für 99 Cent ist für alle Zeit der Fahrradpflege Genüge getan.
Irgend wann hat sich das Kind ( auch der Erwachsene) an die schlurfenden Nabennudeln gewöhnt. Dabei haben Feldversuche von Menschen ohne Fingerschmutzscheu ergeben, dass es möglich ist, in etwa 30 Sekunden je Fahrradnabe mittels eines alten Putzflickens die ersehnte Sauberkeit der Nabe herbeizuführen. Obendrein ermöglicht der einmal in der Hand befindliche Putzflicken in weiteren cirka 3 Minuten die wichtigsten Fahrgestellteile und Felgen befriedigend zu säubern.
Dies setzt natürlich zwei entscheidende Dinge voraus: 1. man muss wollen und 2. dazu insgesamt 4 Minuten Zeit besitzen. Leider sind diese beiden Voraussetzungen flächendeckend Mangelware geworden. Also: Es lebe der Nabenputzring!
Text: Wolfgang Bieberstein