
Obwohl das Hochrad meist nur bei guten Lichtverhältnissen gefahren
wurde, entwickelte um 1880 die englische Firma Salsbury eine
Öllampe, die an der Vorderradnabe des Hochrads befestigt werden
konnte. Der Fahrer konnte somit bei Dunkelheit zumindest von anderen
Verkehrsteilnehmern gesehen werden.
Mit der Entwicklung des Sicherheits-Niederrads wurde auch die
Beleuchtung modernisiert. Die viel helleren Karbidlampen (erstmals
1902 in den USA patentiert) ersetzten die Kerzen- oder Öllampen.
Das Karbid (erzeugt aus Kohle und Kalk unter Sauerstoffabschluss
gebrannt) selbst wurde 1862 von dem Deutschen Chemiker Friedrich
Wöhler entwickelt und konnte ab 1892 industriell hergestellt werden.
Die Karbidlampe selbst besteht aus zwei übereinander - meist mit
einem Bügelsystem - verbundenen Metallgefässen. In den unteren
Behälter wird das Karbid (Calciumkarbid) gefüllt, während sich im
oberen Behälter Wasser befindet. Über ein Ventil tropft nun Wasser
auf das Karbid. Dieses reagiert mit dem Wasser und es entsteht
Azetylengas (korrekt wohl Ethin-Gas). Durch den leichten Überdruck
im unteren Behälter gelangt das Gas nun über ein kurzes Steigrohr
zum - mit einer Düse versehenen - Brenner. Hinter dem Brenner wurde
ein Spiegel (Art Reflektor) montiert, um den Leuchtstrahl besser
steuern zu können und die Leuchtkraft zu erhöhen.
Beeinflussen kann man die Flamme und damit auch die Leuchtkraft,
durch Veränderung der zugeführten Wassermenge. Über die Wassernadel
(Wasserregulierungsschraube) konnte der Fahrer also auf die erzeugte
Gasmenge und damit auf die Helligkeit seines Lichts Einfluss nehmen.
Die Leuchtkraft der Karbidlampe war recht hoch und die Sicherheit
zumindest kalkulierbar. Ein gewisses Problem war ihre
Stossempfindlichkeit. Sie wurde deshalb auch über einen gefederten
Trapezhalter am Fahrradlenker bzw. -rahmen befestigt.
Ein weiterer Nachteil war die erforderliche Pflege. Wasser und
Karbid mussten regelmässig nachgefüllt werden, das beim chemischen
Prozess als Rückstand bleibende Calciumhydroxid (gelöschter Kalk)
musste aus dem unteren Behälter entfernt werden und eine
Aussenreinigung war,
wegen der starken Russentwicklung, öfter erforderlich.
Bekannte Hersteller dieser Fahrradlampen waren z.B. die Firma
Hermann Riemann, Chemnitz-Gablenz, etwa mit ihrem Modell Favorit,
oder die englische Firma Jo.Lucas LTD mit dem Modell Aceta.
Die Zeit der Karbidlampe als Fahrradbeleuchtung ging erst zu Ende,
als der Fahrraddynamo erfunden wurde.