
Fast 50 Jahre nach der Erfindung des Laufrades (Draisine) durch Karl
Drais montierten die Franzosen Ernest und Pierre Michaux eine
Tretkurbel - ursprünglich wohl von ihrem Landsmann Pierre Lallement
entwickelt - an das Vorderrad; das Veloziped entstand.
Durch die starre Verbindung der Tretkurbel - jetzt auch schon Pedale
genannt - mit der Achse ist die Grösse des Vorderrads entscheidend
für die zu erzielende Geschwindigkeit. Wenn das Vorderrad etwa einen
Durchmesser von 70 cm hat, werden bei 10 Pedalumdrehungen 21,98
Meter zurückgelegt. Hat das Vorderrad aber einen Durchmesser von 150
cm so werden bei gleicher Anzahl der Pedalumdrehungen 47,10 Meter
zurückgelegt.
Die französische Firma Gebrüder Olivier stellte um 1864 das erste
Hochrad (Hohes Zweirad) vor, indem sie das Tretkurbelrad der Firma
Michaux mit einem wesentlich grösseren Vorderrad ausstattete. Das
Ziel der Entwicklung war also die Erhöhung der maximalen
Geschwindigkeit des Rads.
Das bekannteste und am weitesten verbreitete Hochrad, das Ariel,
wurde ab 1870 von den Engländern James Starley und William Hillmann
produziert. Sie verwendeten erstmals Rahmen, Naben, Felgen und
Speichen aus Stahl. Die bisher verwendeten Holznaben und
Holzspeichen wurden also ersetzt. Die Speichen wurden dabei auch
erstmals auf Zug und nicht auf Druck gespeicht. Die Laufräder waren
beim Ariel mit Vollgummi versehen.
Die maximale Grösse des Vorderrads wurde begrenzt durch die Grösse,
eigentlich die Beinlänge, des Fahrers. Er musste praktisch genau
über der Vorderachse sitzend, die Tretkurbel mit den Füssen noch
problemlos erreichen können. Bei Radrennen war damit ein grosser
Fahrer gegenüber einem kleinen Fahrer deutlich im Vorteil.
Die erste Schwierigkeit für den Fahrer bestand schon beim
Aufsteigen. Um dies zu erleichtern, wurde das Hinterrad immer mehr
verkleinert (etwas auf 14 Zoll, rund 35 cm Durchmesser). Das Fahren
selbst, besonders das schnelle Fahren, war eine sehr gefährliche
Angelegenheit. Gerade Strassenunebenheiten oder gar Zusammenstösse,
führten zu Stürzen nach vorn. Dem Pedalisten gelang oft ein
Abspringen nicht mehr und es kam zum sogenannten Kopfsturz, der
nicht selten sogar tödlich verlief.
Gebremst wurde - ein Rücktritt gab es nicht - über eine Klotzbremse,
die an der Radgabel angebracht war und von einem Hebel an den
Lenkgriffen ausgelöst wurde.
Hochradfahrer fuhren in Radrennen bis zu 40 km/h schnell. Die
Hochräder waren bis zu 60 kg schwer. Aus Gründen der Fahrsicherheit
und der Chancengleichheit bei Radrennen kam es dann zur Entwicklung
des Sicherheitsniederrads. Die Zeit des Hochrads war Anfang des
20.Jahrhunderts vorbei.