
Eine Möglichkeit für relativ kleines Geld an ein Fahrrad zu kommen sind die öffentlichen Fahrrad-Versteigerungen. Sie werden von Auktionshäusern oder etwa der Deutschen Bahn veranstaltet. Die allermeisten Auktionen führen allerdings die Fundämter der Gemeinden durch.
Die Städte kündigen die Versteigerungstermine fast immer in ihren Anzeigern an. Teilnahmevoraussetzung ist ein Mindestalter von 18 Jahren. Der Kauf ist sofort bar zu bezahlen und meist wird noch der Name des Erwerbers registriert. Ein späterer Umtausch oder eine Reklamation ist natürlich ausgeschlossen. Über den Erwerb wird eine Quittung, die auch als Eigentumsbescheinigung gegen einen möglichen früheren Eigentümer gilt, ausgestellt. Der Erlös kommt dann der Stadtkasse oder einem sozialen Zweck zugute.
Die angebotenen Räder werden in der Regel als Fundstücke beim Amt abgegeben, wobei z.B. nach Volksfesten die Häufigkeit zunimmt. Einige Zeitgenossen entsorgen ihren "Fahrradmüll" einfach nur am Strassenrand. Daneben stellt auch die Polizei gestohlene Fahrräder sicher, kann diese aber nicht immer ihren ursprünglichen Eigentümer zurückgeben.
Die Qualität der zu versteigenden Fahrräder ist damit sehr unterschiedlich. Die Fundämter nehmen selbst keine Begutachtung vor und führen keinerlei Überprüfungen oder gar Reparaturen durch. Auch werden die Fundstücke vor der Präsentation noch nicht einmal gesäubert.
Je nach Platzverhältnissen auf der Auktionsfläche werden die Räder mehr oder weniger gut zur Begutachtung präsentiert. Meist besteht ab rund einer Stunde vor der eigentlichen Versteigerung die Möglichkeit die Fahrräder in Augenschein zu nehmen.
Bei der eigentlichen Auktion wird das Rad nur kurz - ohne grosse Erklärung - gezeigt und schon kann geboten werden. Dabei sind Erhöhungsschritte von einem Euro üblich. Mindestgebote werden im allgemeinen nicht festgelegt.

Unserer Erfahrung nach nehmen fast nur "Privatleute" an diesen - auch für reine Zuschauer unterhaltsamen -Veranstaltungen teil. D.h. Fachleute bzw. Händler sind hier kaum zu sehen. Die Zuschlagspreise für 90 Prozent der Fahrräder liegen zwischen 10 und 35 Euro. Natürlich gibt es Ausreisser nach oben und unten.
Sicherlich ist bei den relativ kleinen Beträgen das Risiko des Käufers gering. Allerdings ist zu bedenken, dass einige Räder in einem so schlechten Zustand sind, dass die fachgerechte Reparatur teurer ist, als ein Neukauf. Dann hilft nur Entsorgen und die Aktion als "Erfahrung gesammelt" abbuchen.
Etwas Fachwissen - vielleicht auch von einem Begleiter - ist bei der Auktion schon sinnvoll. Auf jeden Fall sollte aber ein Fachmann vor der ersten Fahrt im Strassenverkehr die Sicherheit des Neuerwerbs überprüfen.
Bei der letzten Versteigerung, die wir besucht haben, hatten von 50 Fahrräder mindestens 45 leicht erkennbare Fahrsicherheitsmängel. Zu den Kosten des Erwerbs kommen also auch fast immer noch gewisse Reparaturkosten hinzu. Es ist sinnvoll sich vor dem Gebot zudem einige Gedanken über die entstehenden Instandsetzungskosten zu machen.
Mit ein bisschen Ahnung und etwas handwerklichem Geschick (z.B. um einen Schlauch zu wechseln) kann die Teilnahme an einer Fahrradversteigerung durchaus attraktiv sein!
Vor der eigentlichen Versteigerung können die Fahrräder mehr oder weniger gründlich besichtigt werden. Probefahren ist meist nicht erlaubt.
Der Käufer dieses Fahrrads erhielt bei 42 Euro den Zuschlag.