
Jedermann bekannt ist die scherzhafte Bezeichnung „Drahtesel“, wenn es um den fahrbaren Untersatz geht, den man mit Muskelkraft antreibt, damit man in Bewegung kommt.
Während ein richtiger Esel durchaus alte Säcke bis zu 4 Zentnern tragen kann, ist beim normalen Fahrrad bei der Hälfte davon Schluss. Ein tatsächlicher Drahtesel wurde jüngst in einer kleinen Gasse in Pirna nahe der sächsischen Landeshauptstadt entdeckt.
Zwar kann man mit ihm nicht fahren, aber er steht störrisch, wie ein echter Esel an der Hauswand und sein Eselskopf mit den langen Ohren wirft seinen Schatten auf die Fassade.
Selbst die Klingel, der Sattel und das Schlusslicht bewegen ihn keinen Millimeter von der Stelle. Allein die vorbeiwatschelnden Kleinkinder greifen magnetisch nach seinen gummibezogenen Seitenstutzen. Je nach Auffassungsgabe der Eltern oder Begleiter kommt dann mehr oder weniger schnell die Erklärung:“ Nun komm endlich.
Das ist doch bloss ein Drahtesel, der nicht fahren kann ...“ Er kann aber zumindest Aufmerksamkeit erzielen und darauf hinweisen, dass der Drahtesel, also das Fahrrad, ähnlich wie der Lastesel ein Freund des Menschen ist.
Genügsamkeit, mässiges Tempo, Belastbarkeit und kaum ein Murren, wenn sie vernachlässigt werden, zeichnen diese Kameraden aus.
Der Drahtesel - eine volkstümliche Bezeichung
Text: Wolfgang Bieberstein
Der Drahtesel